Ein kurzer Lebenslauf

Von dem am 26.8.1901 in München geborenen Ludwig Johannes Reinwald darf man sagen, er sei durch Vieles gegangen, aber nirgends hängengeblieben. Für ihn gibt es keine Trennung von Kunst, Forschung, Religion und wie die vielen Fachrichtungen menschlicher Aussage auch heißen mögen. Strenge Forschungsarbeiten stehen bei ihm nicht neben Lyrik, Dramatik und Epik, sondern bilden eine gewachsene Einheit im Zeichen einer grundsätzlich neuen Weltsicht und eines Ringens um eine Sprache, die fähig ist, das sich Öffnende auszudrücken. Ludwig Johannes Reinwald hält seiner Zeit den Spiegel vor, wie alle wirklichen Dichter es taten und immer wieder tun werden. Bei ihm fällt allerdings die junge Sprache auf, die ihn auch noch als Alten in die Reihe der Jungen stellt.

Leseproben:

Bei den auf dieser Seite veröffentlichten Gedichten und Auszügen handelt es sich um Leseproben. Alle Rechte (weitere Veröffentlichungen, Bearbeitungen, Lesungen und sonstige Möglichkeiten der Verbreitung) liegen bei den Erben des Urhebers.



 


Angst

O allzu jäh oft

Wechseln der Seele Gezeiten,

Und den eigenen Sinn,

Den nimmer verweilenden,

Fassest du nie.

Ja, du Törichter, glaubst wohl,

Einsicht, sie sei dir beschieden,

Aber, was du so nennst,

Narrt dich wie Schatten des Wahns.

Liebe und Hassen vergleitet

Wie Tage-und-Nächte-Jagd,

Und des Verzichtens

Schleichende Schemen

Dämmern verödend heran.


 

 

 



Ach, könnte ich...

Ach, könnte ich in Deiner Seele wohnen,

Wie Du in meiner Seele wohnst,

Wie Du in meinem Fühlen weilst,

Wie Du zu Deinen Füßen königlich versammelst

All all mein Denken, Träumen, Wähnen,

All all mein Sinnen lieberfüllt.

Ach, könnte ich Dein Herz verwandeln,

Wie Du mein Herz verwandelt hast,

Wie Du mit einem Blicke nur

Den unnennbaren Zauber ausgeübt,

Mit einem Blick die schöne Feuergabe

In meines Herzens Heiligtum gesenkt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fragst du...

Fragst du nach dem Zweck der Welt,

Fragst du nach dem Zweck der Leiden,

Fragst du nach den tausend Dingen

Und ihr heimlich-fernes Zielen?

Zweck? Ich kann dich nicht begreifen.

Muß die Welt denn Zweck besitzen?

Ist´s dir nicht genug, zu leben,

Auf - und niederwärts zu wandeln,

Mit dem Lenz zu jauchzen,

Mit dem Herbst zu trauern,

Lieben, hassen, staunen, schaudern,

Hoffen, zweifeln, ach, die ganze Fülle

Auszuschöpfen in Unendlichkeit,

Zu durchwandern eine Welt voll wechselnder Gestalten.

 



Totentanz

Die Liebste saß beim Weine,

Ihr Narr bei Wasser und Brot.

Der Tod führt´ im Vereine

Sie fort im Morgenrot.

Erschraken tief allbeide

Und blickten scheu sich an.

Er sprach: "Daß Du zum Leide

Mir so viel angetan!"

Und sie: "Wie sollt´ ich wissen,

Daß Du mich so geliebt?"

"Mein Herz hat Qual zerrissen,

Doch Du bliebst unbetrübt."

Sie gingen immer fürder -

Ohn Wasser, Brot und Wein.

Freund Hein, der Leidentbürder,

ging klappernd hintendrein.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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