Alle rechtsförmlichen Handlungen bei den alten Germanen waren begleitet von langen feierlichen Reden. Für alle Gelegenheiten hatte man Sprüche, u.A. Urfehdesprüche: Nach Feststellung der Sachlage folgt die Mahnung, der Verklagte solle überall friedlos und verwünscht sein, wenn er die nordische Urfehde nicht halte. Die Buße bestand aus einer Geldzahlung. Die Kontrahenten sollen in Zukunft teilen als Zeichen der Freundschaft, ausgesöhnt sein in Zukunft, genannt und ungenannt bis zu den Nachkommen. Die Hände werden ineinandergelegt. Stehen auf dem "festwurzelnden Stein" gibt den Sprüchen der Richter Bestand.

Eine Verwünschung konnte einen Herrscher dazu bringen, Gefangene freizulassen, an deren Freiheit der Verwünschende interessiert war. Es sind ebenso Flüche überliefert, wie der berühmte Fluch der Bustla: Der junge Held Bosi war von Hring geächtet worden. Er hatte aus Rache den ältesten Sohn des Königs erschlagen. Bosi hatte eine zauberkundige Mutter, die ihn und den gleichfalls geächteten Gefährten durch die Androhung schlimmer Flüche lösen konnte.

Die Nordleute liebten Umschreibungen. In der Dichtung nennt man sie "Kenninge"; das schönste Beispiel dafür steht im "Alvislied". Da gibt es jeweils 5 Umschreibungen für einen Begriff. Jeder wusste, was mit der poetischen Beschreibung wirklich gemeint war. Man schrieb gern in einer solchen Art. Besonders in Island, dem wir die schriftliche Fixierung der "Edda" danken, war diese Kunst der Kenninge sehr ausgefeilt.

Weit verbreitet waren Rätsel. Auch in der Götterdichtung fragt Odin in verschiedenster Gestalt immer wieder die sogenannte "unlösbare Frage", womit er zugleich seine Maske fallen lässt.

Eine ausgeprägte Spruchdichtung ist die Folge einer mündlichen Überlieferung. Sprüche vermitteln leicht zu merkende Verhaltensregeln und Gesetze für jedermann. Damit lernte auch der einfache Bauer ein richtiges Verhalten. Wir kennen heute noch Reste der früher vielfältigen Bauernregeln.

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