In den Städten erst begann die Blüte des Handwerks, obwohl es eigentlich so alt ist wie die Menschheit, die - wie wir wissen - nicht von Anfang an in Städten wohnte. Die Stadt zeigte dem Lande gegenüber den Vorteil einer Befestigung, hinter der wehrhafte Männer für den Erhalt des Friedens zu sorgen hatten. Je mächtiger und reicher eine Stadt, desto "trutziger und prächtiger" waren die Wälle und Türme gebaut. Große Städte hatten sogar Wehrbrücken, wie man sie heute noch z.B. in Luzern sehen kann.

Nun gab es nicht nur Handwerker in einer Stadt, sondern auch Händler und Bauern; es gab Höfe, die auf Parzellen vor der Stadt Viehwirtschaft und Anbau von Feldfrüchten betrieben, - es hatte sogar Schweinezucht mitten in der Stadt gegeben, das beweisen Verordnungen, die das Herumlaufen der Tiere auf den noch nicht gepflasterten Straßen regelten; die Händler profitierten von Handwerkern und Bauern - sofern diese ihre Erzeugnisse nicht selbst zum Kauf anboten.

Die Handwerker lebten und arbeiteten im gleichen Hause, waren also für den Auftraggeber immer verfügbar. Am Aushängeschild konnte man die verschiedenen Berufe durch das Zunftzeichen gleich erkennen. Gerber, Weber, Färber, Wollspinner wohnten am Flußlauf, da sie zur Herstellung ihrer Produkte Wasser brauchen. Allmählich taten sich die Handwerker in Zünften zusammen, die die Belange der jeweiligen Mitglieder im Rat der Stadt vertraten.

Durch die Gelder von Handwerkern und Händlern, die sich nun Kaufleute nannten und den Im- und Export bis in die fernsten Winkel der damals bekannten Welt fest in Händen hielten, wurde der Bau von Kirchen und Rathäusern erst möglich. Auch die Spezialisierungen, die sich aus den alten, ursprünglichen Berufen bildeten, z.B. Schmied wurde zu Huf- und Nagelschmied, Kunstschmied, Waffenschmied, Kesselschmied, Gold- und Silberschmied bereicherten den Markt. Die Riemer, Sattler, Beutler und Handschuhmacher sind wohl aus einem einzigen lederbearbeitenden Beruf hervorgegangen, denn das ästhetische Empfinden der Stadtbewohner hatte sich im Laufe der Zeit verfeinert. Die Glaser spezialisierten sich auf die Herstellung von kunstvollen Gefäßen und Kirchenfenstern. Die Schneider gehörten zu den angesehensten Leuten in der Stadt, befriedigten sie doch die Modewünsche der Damen und Herren. Seit den Kreuzzügen kannte man kostbare Stoffe, die zunächst nur dem Adel vorbehalten, nun für jeden, der das nötige Geld hatte, zur Verfügung standen. Bald musste diese Putzsucht durch Kleiderverordnungen geregelt werden, da es den Adligen und den reichen Kaufleuten nicht passte, dass jedermann sich schön kleiden konnte, aber den Schneidern blieb trotzdem noch genügend Kundschaft. Auch die Schuster hatten viel zu tun, denn hier wandelte sich die Mode vom einfachen Schuhwerk aus der Werkstatt des "schwarzen" Schuhmachers zum eleganten, zierlichen Pantöffelchen, die der Schuster für feinere Arbeiten, der "Korduaner", herstellte - und dann gab es noch den "Altbüßer", der sich mit Lederresten begnügen musste und billiges Schuhwerk herstellte. Die Dinge des täglichen Gebrauchs, wie z.B. Töpfe und Vorratsgefäße, Holzlöffel, Messer und Schlösser für Truhen und Türen mussten bereitliegen. Die Künstler der damaligen Zeit waren nicht mehr als Handwerker, die ihre Waren selbst verkauften. Ja oftmals überschnitten sich die Begriffe Handwerk und Kunst, wie es z.B. bei den Goldschmieden der Fall war.

Die Steinmetze und Bildhauer, die man in den Städten meist an Dombauten beobachten konnte, waren ebenso nicht nur Handwerker. Bäcker und Fleischhauer stellten für gehobene Ansprüche der feinen Tafel Spezialitäten her, gingen aber wie bisher ihren einfachen Arbeiten nach. Für den Transport der vielen Produkte benötigte man Wagen, die der Wagner herstellte.

Kaufleute brachten Rohstoffe aus aller Herren Länder zu den einzelnen Innungen. Aber zuerst musste die Ware zur Ratswaage, wo die zu zahlende Steuer festgelegt wurde. Hier feierte man auch die glückliche Einfuhr, denn unterwegs gab es viele Gefahren für wertvolles Gut. Und an solchen Tagen hatten die Wirte Hochkonjunktur, besonders wenn sie ein gutes Bier brauten. Eine der wichtigsten Dienstleistungen in der Stadt war im Badehaus konzentriert, wo der Bader nicht nur für die Hygiene und das Bart- und Haarscheren zuständig war, sondern auch eine Art Arzt darstellte, der die Leute bei unerklärlichen Krankheiten zur Ader ließ; ferner konnte der fremde Reisende sich mit den Bademägden vergnügen. Das Handwerk als eigene Kultur gipfelt in der Übernahme ritterlicher Tugenden; die Idealisierung des eigenen Standes als Gegengewicht zu Adel und Klerus bringt die Meistersinger hervor, deren Mitglieder Handwerksmeister und angesehene Poeten waren; wer denkt dabei nicht an den Schuhmacher Hans Sachs, der der deutschen Literatur beachtliche Werke geschenkt hat.

Wie man ein Handwerker wurde über die Etappen Lehrling und Geselle, der nach seiner Lossprechung zunächst auf Wanderschaft ging, um noch mehr zu lernen, das erfahren Sie in der Lesung "Handwerk hat goldenen Boden".

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