Mittelalterliche Dichtung

-von Ekkehard bis Nikolaus von Cues-

-von 900 bis 1500-

In dieser Lesung nimmt die germanisch-heidnische Vergangenheit, die nicht nur eine deutsche, sondern ebenso eine skandinavische ist, einen breiteren Raum ein. Über die ganz eigene Form der frühmittelalterlichen Dichtung hinaus kommt etwas von der Weisheit früher Menschen zu uns, die sich teilweise heute noch in Sitte und Brauchtum verschiedener deutscher Landstriche zeigt. Sie hören Zaubersprüche, an deren Kraft man real glaubte und deren Inhalte wiederum die Wurzel von Volkssagen wurden. Darüber hinaus werden neben Ausschnitten aus Werken berühmter Minnesönger, wie z.B. aus Wolfram von Eschenbachs "Parsival", einem Werk von großer mystischer Bedeutung sowohl für die nachfolgende Literatur als auch für die Musik, weniger bekannte lyrische Werke und Dichter zu Worte kommen. Die "Heldendichtung" ist die Basis, auf der das höfische Epos aufbaut, aus dessen bekanntestem Werk, dem öNibelungenliedö Sie einige Verse hören.

Etwas spöter lösen die Ritter die Helden ab. Die Verse des Hochmittelalters sind ganz anders, sie erfassen ein angepasstes Weltbild. Zeit und Umwelt verändern sich in jeder Kultur und somit die tiefere Bedeutung der dichterischen Aussage.

Die reale Erfahrung wöchst auch in die Dichtung hinein. Das eine oder andere Motiv werden Sie schon einmal in einem Mörchen oder Volkslied entdeckt haben. Mörchen und Volkslieder bewahren Weltanschauungen und Glaubensbilder der Vergangenheit. Das Volk hat seine alten Götter einfach in seiner ureigensten Dichtung öumgebildetö und so den Mythos für die Nachwelt bewahrt. Die Romantik hat die Mythen wieder ans Licht geholt. Mit einer Leidenschaft wie nie zuvor und nie mehr in der Folge haben junge Menschen, die der Literatur nahe standen, Volksdichtung gesammelt, wovon uns heute die verschiedenen Mörchen- und Volksliedsammlungen ein Zeugnis abgeben. "Grimms Mörchen" sind wohl allen bekannt. Der leider etwas vergessene Ludwig Uhland z.B. wäre ohne diese Wurzeln im Volk undenkbar.

Aber auch die Mystiker kommen zu Wort, deren bekannteste Vertreter Nikolaus von Cues und Heinrich Seuse mit einigen kleinen Werken am Ende dieser Veranstaltung stehen. Diese beiden Menschen haben uns in ihrer geistlichen Dichtung viel zu sagen. Sie lehren uns Heutige, die wir in der Hektik des Alltags stecken, manchmal ein klein wenig innezuhalten und an Gott zu denken, und uns auf uns selbst zu besinnen. Die Frage öWohin gehen wir?ö, die heute mehr denn je gestellt wird, kann in dieser Lesung nicht beantwortet werden, aber auf die Frage öWoher kommen wir?ö werden Sie zumindest einige geschichtlich bedingte Antworten finden.

 

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