Will man ein Volk kennenlernen, muss man seine Gedichte lesen. In der kleinen Kunstform des Gedichts wird der Augenblick der jeweiligen Empfindung des Menschen festgehalten und der Welt als Erinnerung geschenkt. Diese Welt sollte sich die Liebe zum Gedicht erhalten, sonst kann es nicht lebendig bleiben und den Nachfahren von uns berichten. Von den Zeiten Karls des Großen führt Anna Elisabeth Doll durch Länder und Schicksale bis in die Gegenwart. Die Auswahl gibt Aufschluss über den Reichtum der deutschen Lyrik. Dichtungen aus früheren Zeiten, die wir aus der Sicht unseres heutigen Weltbildes nicht mehr zu verstehen glauben, werden zu Gehör gebracht, und der Zuhörer wird feststellen, dass hier die Quellen der Kraft liegen, die erst die Entwicklung späterer Epochen ermöglicht.

Der Dreißigjährige Krieg war eine Zeit der Verwirrung; um so erstaunlicher erscheint es, dass gerade in Deutschland, wo die Kämpfe besonders heftig waren, eine reiche Lyrik entstand. Man kann erahnen, dass - wenn das Verhältnis der Menschen zu Gott kalt, ablehnend, nicht einmal mehr staunend, sondern gleichgültig wird, die Schöpfung verloren ist. Wenn die Menschheit wieder lernt, das Lebendige zu achten, auch das des in ihren Augen unbedeutenden Geschöpfs, dann werden wir mit Zuversicht für die Belange der Zukunft alt werden können.

Zur Achtung vor dem Leben gehört auch das Zuhören, das Nachdenken und das Weitergeben an die Nachkommen.

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