Lebenslauf Anna Elisabeth Doll

 

 

 

1935 kam ich in Saarbrücken zur Welt.

 


 

1939 begann der Krieg, und wir mussten, da wir sehr nahe an der Grenze wohnten, nach Mitteldeutschland. Wir lebten auf einem Bauernhof. Dort lernte ich, die Tiere zu lieben und viele der Menschen dieses Hofes zu verachten, da sie Tiere als Dinge sahen und nicht als Lebewesen.

 

 

 


 

1942 wurde mein Vater nach Luxembourg versetzt, wo meine Eltern schon vor meiner Geburt gewohnt hatten. Ich ging in der Industriestadt Esch sur Alzette zur Schule und vergaß langsam die Bombennächte. Gegen Ende des Krieges kam die Erinnerung sehr plötzlich, wieder durch Bombennächte, zurück. Bis zum Abzug der Deutschen verbrachten wir auch diesmal viel Zeit im Keller; die Kanonen der Rundstedt-Offensive in den Ardennen waren oft zu hören.

 


 

1944 mussten wir zurück nach Deutschland. Es sah schlimm aus und es gab weder Wohnungen noch ausreichend zu essen. Da mein Vater fand, dass ich nach der ausgezeichneten Schule in Luxembourg in dieser schlimmen deutschen Nachkriegsschule alles vergessen würde, musste ich auf das Gymnasium in Saarbrücken.

 


 

1954 begann ich mein Studium an der dortigen Musikhochschule, Abteilung "Darstellende Kunst", nachdem ich bei einem Sprecher-Wettbewerb des Saarländischen Rundfunks (Prüfer u.a. Camillo Felgen) bestanden hatte und in der Folge bei Hörspielen mitwirken durfte.

Da ich gerne sang, schrieb ich mich, in Ermanglung einer andern Möglichkeit, beim Madrigalchor der Hochschule ein. Nebenher gab es Ballett- und Fechtunterricht.

 


 

1955 bekam ich Unterricht in „Funkischem Sprechen“ (mit Ziel Ansagerin) und in Rezitation beim damaligen Chefsprecher des Saarländischen Rundfunks, Herrn Rudolf Schumann.

Gleichzeitig mit dem Studium hatte ich in kleinen Rollen am Stadttheater Saarbrücken zu tun und sang im Extrachor in einigen Operetten und Opern mit. Eine neuerliche Bewerbung bei der Telefilm Saar brachte mir den Rat ein, zuerst mein Studium zu beenden. Meine Ansage in deutsch, englisch, französisch und italienisch stieß dennoch auf den Beifall der Prüfer.

 


 

1956 1. Engagement im Rahmen einer Schweiz-Tournee.

1. Rolle: Magdalena in „Das Apostelspiel“ von Max Mell.

Schauspielunterricht bei Lilo Barth – van Buren, Stuttgart.

 


 

1957 2. Engagement, wieder eine Schweiz-Tournee. Rollen u.a.

Estelle „Die geschlossene Gesellschaft“ von Jean Paul Sartre

Deta „Der Fischbecker Wandteppich“ von Manfred Hausmann.

 


 

1958 Als Folge eines Auftritts am Ende der Schweiz-Tournee in Stuttgart, Engagement beim „Thespiskarren“ in Tübingen, aus dem das Tübinger Zimmertheater hervorging, dessen „Gründungsmutter“ ich wurde.

Rollen u.a. Laura "Die Glasmenagerie von Tennessee Williams

Allison Porter „Blick zurück im Zorn“ John Osborne

Prinzessin St. Labiche „Meine Schwester und ich“ Ralph Benatzky (mit Gesang und Tanz)

Krankenschwester „Die Dame Aoi“ und Hanako „Die getauschten Fächer“ (Moderne No-Spiele Deutsche Erstaufführung) Yokio Mishima

Popowa „Der Bär“ und Natalia „Der Heiratsantrag“ Anton Tschechow

Freilicht Schloss Hohentübingen:

Rollen: Mädchen (im Folgejahr auch Rolle Mutter) in „Der Tor und der Tod“ Hugo von Hofmannsthal

Dorimène „Heirat wider Willen“ und ebenfalls Dorimène aus „Die Lästigen“, von Molière, Bearbeitung Wolfgang Müller.

 


 

1960 Deutschland-Tournee mit Bühne "Der Morgenstern" Rollen u.a. 2. Tochter des deutschen Arztes „Der erste Tag der Freiheit“ von Leon Kruszkowski (Deutsche Erstaufführung)

Festspiele Kloster Cismar, 2 Rollen: Buhlin (mit Gesang) und Sünde (mit Tanz) aus „Der Deutsche Schlemmer“ von Johannes Strickerius, 1584

Melitta „Sappho“ von Grillparzer, ferner Regieassistenzen im musikalischen Bereich (Gregorianik und Minnesang) und Einstudierung der Gesangspassagen folgender Stücke „Die Bordesholmer Marienklage“ 14. Jahrhundert

Das Oberuferer Paradeisspiel“ „Das Oberuferer Christigeburtsspiel“;

Rolle Bürgerin aus „Der Krämerskorb“ von Hans Sachs.

(Regie: Dr. Reinhold Netolitzki)

 


 

1962 Für die Rolle der gnädigen Frau „Die Zofen“ von Jean Genet nach Tübingen zurückgeholt.

 


 

1963 In München viele Dinge probiert, wie Theater, Filmsynchron und Fernsehen; Rollen in der Fernsehserie „Die Karte mit dem Luchskopf“ und dem Fernsehfilm „Glück und Glas“ nach „Das Flaschenteufelchen“.

Lesung „Eros und Ethos“ im Pavillon Alter Botanischer Garten am Stachus, München.

 


 

1965 Engagement in Heilbronn, Rolle der Schülerin in „Die Unterrichtsstunde“ von Eugène lonesco. Regie-Assistenz in München, Theater am Max II. Denkmal, bei der Erfolgskomödie „Ein seltsames Paar“ Harald Juhnke und Hans Clarin, Regie Wolfgang Spier.

 


 

1966 Als Folge des Heilbronner Engagements jugendliche Rollen und Märchenrollen im TAT in Frankfurt/Main. Erste Kontakte mit Kostümgestaltung und gelegentlicher Tätigkeit in der Schneiderei als Stoffmalerin und Stickerin.

 


 

1968 Als Folge der Arbeit mit Wolfgang Spier Regie-Assistenzen und Abendregie in der „Komödie“ in Frankfurt. Erste Kontakte mit der PR-Arbeit und selbständige PR für das Lustspiel „Auf und davon“, Regie und männliche Hauptrolle Carlos Werner, daher war die Assistenten-Arbeit vielfältiger als in München.

 


 

1969 Durch Zufall hatte ich Gelegenheit, mich innerbetrieblich im Malersaal und der Kascheurabteilung der Städtischen Bühnen Frankfurt, denen die Frankfurter „Komödie“ gegenüberliegt, ausbilden zu lassen, für mich herrlich, da ich immer schon gern gemalt und gestaltet habe. Langjährige Tätigkeit auf diesem Gebiet mit neuen Dimensionen für mich persönlich. Fruchtbare Arbeit u.a. mit den Bühnenbildnern Grübler und Wonder und den Regisseuren Ponelle, Zankel, del Monaco, Berghaus, Kupfer und Savary. Intensive Mitarbeit am Bühnenbild und der Ausstattung zu den Opern „Othello“, „Castor und Pollux“ und „Julius Caesar“.

 


 

1979 Übernahme der Requisitenabteilung des Stadttheaters Gießen als Abteilungsleiterin. Vielfältige Möglichkeiten des Gestaltens, u.a. mittelalterliches Museum mit Figuren und Reliefs im Chartre-Stil für eine Uraufführung. („Würm“)

 


 

1982 Rückzug in den privaten Bereich nach einem Unfall auf der Bühne. Kampf gegen die sogenannte Arbeitsunfähigkeit, die ich natürlich „besiegte“.

 


 

1985 Leitung von Theaterworkshops der VHS in Weilburg an der Lahn

 

Entwurf und Ausführung einer 8x10 Meter großen Werbeleinwand „Haus Gottes unter den Menschen“. (750 Jahre Dom zu Limburg)

 


 

1986 Als Folge der VHS-Theaterworkshops entstand eine Gruppe, die mit erfolgreichen Inszenierungen an die Öffentlichkeit trat, u.a. „Antigone“ von Anouilh (gleichzeitig musste ich wegen Ausfalls der Titeldarstellerin die Rolle der Antigone, übernehmen, um Konventionalstrafen bei schon abgeschlossenen Verträgen zu vermeiden; obwohl ich schon 51 Jahre alt war, hatte ich gerade in dieser Rolle großen Erfolg); ferner Inszenierungen von „Die Zoogeschichte“ Albee, „Korzcak und die Kinder“ von Erwin Sylvanus‚ (zum Gedenken der 50. Wiederkehr der Reichskristallnacht‚) Rollen: Mutter, jüdische Krankenschwester, deutsche Frau und Regie; „Die Unterrichtsstunde“ Ionesco, Regie und Rolle des alten Dienstmädchens Marie;

 

Lesungen verschiedenster Art.

 


 

1990 Festspiele Burg Dreieichenhain (Nähe Frankfurt) Inszenierung der Oper „Fidelio“ von Beethoven mit internationaler Besetzung, dem Rundfunkchor Krakau, aus dem ich einen ausgezeichneten Bühnenchor machen konnte; den Solisten Josef Stepien und Andre Cardino, Florestan, - Jerzy Ostapiuk, Rocco, - Daniel Washington, Pizzaro, - Margot Didusch, Marzelline, - Eric Holland, - Jaquino, und der Masurischen Philharmonie unter Leitung von Paul Kantschieder. Die Titelpartie sang Johanna Rutishauser.

 

Daneben Arbeiten als Leiterin der PR-Abteilung, als Folge kam das im 3. Jahr stehende Festival erstmalig zu „Fernseh- und Rundfunkehren“ und überregionale, sogar internationale Presse war zum ersten Mal anwesend. Täglich kleine Telefoninterviews über die verschiedenen Sender, auch Rundfunk- und Fernsehinterviews. 2. Inszenierung für diese Festspiele „Ein Bericht für eine Akademie“ von Franz Kafka mit Michael Trischan.

 


 

1991 Festspiele Burg Dreieichenhain: Dramaturgie der Oper „Carmen“, Regie Guntis Gailitis, Lettische Nationaloper, mit Kräften vom Bolschoi-Theater Moskau, der Estonia-Oper Tallinn und der Lettischen Nationaloper, Dirigent war der erste deutsche Karajanpreisträger Herbert Gietzen. - Weitere Arbeiten: Gestaltung der Programmhefte als leitende Dramaturgin des Ballett- und Musiktheaters. Lesung eines eigenen Programms „Gebete der Menschheit aus 5 Jahrtausenden in 7 Sprachen“.

 


 

1992 Festspiele Burg Dreieichenhain: Dramaturgie des gesamten Musiktheaters und Lesung (eigene Zusammenstellung und Recherchen) „Wie Frauen ihre Liebe in Verse banden“, Liebeslyrik von Frauen aus 3 Jahrtausenden und verschiedenen Kulturen rund um die Welt.

Theaterkurs und Pantomime mit Kindern in Limburg

 


 

1993 Gründung einer eigenen Agentur, mit dem Ziel, Künstler mit exquisiten Programmen aus Deutschland, Polen und Russland in Deutschland bekannt oder bekannter zu machen,  z.B. den Sänger André Ochodlo. Er war mehrfach Gast in Deutschland und zudem Gewinner des deutschen Chansonpreises in Frankfurt/ Oder

Daneben Erstellen eigener Leseprogramme mit nicht alltäglichen Inhalten, ferner im Rahmen eines Projektes der Volkshochschule Raunheim bei Rüsselsheim Inszenierung „Jenseits vom Horizont“ von Eugene O 'NeiII.

 


 

1994 Festspiele Burg Greifenstein bei Wetzlar: Dramaturgie und Inszenierung von

Adieu Greifenstein“ von Christa Gombel zum Doppeljubiläum (300 Jahre seit Verlassen der Burg Greifenstein und 25 Jahre Greifensteinverein, der sich um die Pflege der Burganlage kümmert.)

Arbeiten als Dozentin an einer privaten Schauspielschule in Frankfurt.  Fächer: Phonetik (Stimm- und Sprechschulung), Rezitation und Rollenstudium, Theater- und allgemeine Geschichte, Literatur - bis 2016.

Gastspiele in Polen als Dramaturgin und Rezitatorin am Teatr Atelier Sopot. Heute Teatr Agnieszka Osiecka - Übersetzung und Bearbeitung jiddischer Lieder in die Sprachen Deutsch, Englisch, Französisch.

 


 

1996 Greifenstein: Inszenierung „Teufelskerle“ von Christa Gombel

 


 

1998 Greifenstein: Inszenierung „Der Tanz mit dem Tod“ von Christa Gombel

 


 

1999 Moderation von Konzerten mit eigenen Texten.

 


 

2000 Greifenstein: Inszenierung „Der scharlachrote Kelch“ von Christa Gombel.

 


 

2002 Worms: Arbeiten mit Kindern, Auffürung einer Siegfried-Sage, bearbeitet für Kinder, im Auftrag der Stadt Worms.

Märchenrollen: Rumpelstilzchen und Gute Fee aus "Jorinde und Joringel" - Bearbeitung und Regie: Markus Goerisch


 

2005 Oststadt-Theater Mannheim: Kinderstück "Kikerikiste" von Paul Maar, Regie 

 


 

2010 Kurzfilm: „Eine eiskalte Goldfischromanze“; Texte zu den Revuen „Nostalgie“ (über Schumann-Theater Frankfurt) und „La Vie en Rose“ über Revuen in Paris, Rolle: Alte Sängerin.

 


 

2015 Werbefilm, Rolle: Rap-Oma  (https://www.youtube.com/watch?v=TPk1WpI_yDc)

 



 



 

Anna E. Doll

Claus Coester

Ludwig Johannes Reinwald

Robert Hansen

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